, Alessia Bisig, Tina Züger, Rahel Signer

Alessia und Tina's Erfahrungen auf der Strasse

20.-23.04.2017 - Am Donnerstag fuhren wir mit dem Nationalteam nach Holland. Die Anreise dauerte lange und machte uns müde. Am späten Nachmittag kamen wir endlich in Baarland an und gingen noch kurz aufs Rennvelo.

EPZ Omloop van Borselen (Holland)

Das Rennen fuhren wir als Nationalteam Suisse-Austrian Mix Team. Wir waren vier Schweizer Mountainbikerinnen, die ihre Erfahrungen auf der Strasse machen wollten und zwei Strassenfahrerinnen aus Österreich.

Freitag, 21. April
Am Morgen fassten wir ein Zeitfahrrad mit Scheibenrädern und gingen die Strecke besichtigen. Diese mussten wir uns gut einprägen. Die Kurven fuhren wir meistens zweimal, da man mit dem Zeitfahrrad nicht so gut einlenken kann. Die Strecke war rund 14 km lang und ausser den Autobahnübergängen total flach.

Alessia:
Ich war sehr nervös vor dem Zeitfahren. Ich hatte riesige Angst, dass ich die 33% Regelung nicht schaffte. Das ist der Rückstand, den man auf die Beste haben darf, um am nächsten Tag wieder starten zu können. Ich ging noch ein wenig einfahren vor dem Start. 15 Min vor dem Start musste man in die Übersetzungskontrolle. Ich wurde von einem Mann fest gehalten und musste von einem Podest runter fahren. Ich sagte mir Kopf runter und fahren. Das Rennen verlief gut, doch in der Mitte musste ich mich immer ein wenig bewegen, da verlor ich sehr viel Zeit. Nach 14 km hatte ich es geschafft. Ich war zufrieden für das erste Zeitfahrrennen. Ich belegte Rang 95, gerade einen Platz hinter Tina.

Tina:
Da ich zu klein bin für ein Zeitfahrrad, wurde mir ein Zeitfahraufsatz auf den Lenker montiert und die Laufräder durch Scheibenräder ersetzt. Das Schalten gestaltete sich als etwas mühsam, da ich am Aufsatz keine Schaltung hatte und ich mich so jedes Mal etwas aufrichten musste. Zusätzlich kam mir der Kurs nicht gerade entgegen. Man war viel dem Wind ausgesetzt und es war praktisch alles flach.
Eine Viertelstunde vor dem Start ging ich zur Fahrrad- und Übersetzungskontrolle. Die Nervosität machte sich erst auf der Startrampe so richtig bemerkbar. Im entscheidenden Moment setzte auch noch mein Pulsgurt aus und so musste ich ganz nach Gefühl fahren. Genau dieses sagte mir, dass ich nach dem Start zu langsam unterwegs war und deshalb beschleunigte ich etwas. Dies bereute ich dann auf den letzten 5 km.
Im Ziel reichte es dann zu Platz 94. Für das erste Mal ganz okay.

[Samstag, 22. April
Am zweiten Tag stand die zweite Etappe über drei Runden von 24 km an. Das Rennen verlief eigentlich gut, doch durch einen Sturz in den ersten paar Kilometern teilte sich das Feld in zwei Hälften.

Alessia:
Ich konnte dem Sturz gerade noch knapp ausweichen. Doch ich konnte nicht mehr zur ersten Gruppe aufholen. So fuhr ich in der Verfolgergruppe weit vorne mit. Im Sprint war ich bei dieser Gruppe weit vorne mit dabei. Mit dem 83. Platz musste ich mich geschlagen geben. Auch hier musste man die 15% Regelung überstehen.

Tina:
Vom Sturz war ich gar nicht betroffen. Ich befand mich zu der Zeit zwar auf gleicher Höhe, aber auf der anderen Strassenseite. Das Tempo war enorm hoch mit über 50 km/h und der frühe Sturz war nicht gerade hilfreich, im Gegenteil. Vorne hatten sie dann das Gefühl sie müssten jetzt erst recht Gas geben. Ich kam nie so richtig ins Hauptfeld hinein und nach etwa dreimal heftig antreten, flog ich nach einer scharfen Kurve aus dem Feld. Ich fuhr einige Zeit alleine bis mich eine etwas grössere Gruppe einholte. In dieser war auch Alessia und drei weitere Teamkolleginnen. Eine Fahrerin von uns hatte es mit dem Tempo der Spitzengruppe aufnehmen können. Die Gruppe harmonierte nicht so richtig und unser Team übernahm viel Arbeit, was extrem anstrengend war. Bis ins Ziel verloren wir über sieben Minuten was sich auf die Gesamtwertung nicht besonders gut auswirkte. Im Schlusssprint war ich dann auch einfach nicht weit genug vorne und beendete das Rennen auf Rang 98.

Sonntag, 23. April
Nun stand die letzte Etappe auf dem Programm. Nochmals 73 km (eine Runde von 42 km & drei von 10 km). Das Feld war nicht mehr gross. Von 140 Fahrerinnen standen gerade noch 113 am Start. Wir waren alle zusammen unterwegs bis zum ersten Sturz, der nach ca 15 km geschah.

Alessia:
Ich konnte zwar noch bremsen aber leider nicht mehr ausweichen und bekam das Fahrrad einer Anderen in der Rücken geschossen. So war das Feld wieder in zwei geteilt. Ich wollte zurück! So machte ich im Feld viel Führungsarbeit. Nach gut 15 km waren wir wieder im Feld, doch dies kostete mich sehr viel Energie. Nach der Hälfte musste ich nach hinten zu unserem Wagen, weil ich etwas brauchte. Ich musste dann wieder von Wagen zu Wagen nach vorne fahren. 2 1/2 Runden fuhr ich in der Wagenkolonne und kam einfach nicht mehr nach vorne. In der letzten halben Runde fehlte mir einfach die Kraft und ich musste mich geschlagen geben.
Doch diese Erfahrung werde ich mitnehmen und weiter daran arbeiten. Für mich war es das erste Zeitfahren. Etappenrennen und in solch einem grossen Feld war ich noch nie gefahren. Doch es machte grossen Spass! Auf dem kann man aufbauen:)

Tina:
Dieses Mal lief es mir viel besser. Die erhaltenen Tipps vom Vortag konnte ich grösstenteils umsetzen. Da ich eine der Kleinsten im Feld war und auch nicht so viel Kraft auf die Pedale brachte wie die anderen, war mein Auftrag, mich im vorderen Teil vom Feld zu verstecken und auch möglichst nur durchs Feld nach vorne zu wandern und nicht am Rand. Einige Male hatte ich Glück und der Sturz passierte erst hinter mir. Drei Mal wäre ich fast aus dem Feld gefallen, weil ich mich gerade auf etwas anderes konzentrieren musste und nicht auf meine Position im Feld geachtet hatte. Jedes Mal schaffte ich es irgendwie wieder zurück. Rund 20 km vor dem Ziel drängte mich dann auch noch eine Fahrerin von der Strasse ab. Vor mir klafften beide mal zwei Löcher auf, in denen man über den Lenker fliegen hätte können. Als Bikerin wusste ich aber wie reagieren und kam auch aus dieser brenzligen Situation heraus. Im Schlusssprint befand ich mich auch dieses Mal nicht ganz vorne. Mit Rang 66 bin ich sehr zufrieden, da ich das ganze Rennen im Feld meistern konnte.
Die letzte Etappe hat richtig Spass gemacht, abgesehen von der Angst im Feld zu fahren. Klar ist noch Verbesserungspotential da, vor allem mit der Verpflegung. In der letzten Etappe habe ich mich nur einmal getraut, den Lenker los zu lassen und ein paar grosse Schlücke aus der Flasche zu nehmen.

Am Montag sitzen wir nun total erschöpft im Auto. Aber wir haben viele neuen Erfahrungen im Gepäck.